Rothaus Bike Giro#4: Julian Schelb triumphiert

Turbulente Schlussetappe: Sprint-Finish, Defekt und Zeitstrafe

Zum Abschluss des Rothaus Bike Giro im Hochschwarzwald haben es die Protagonisten noch mal richtig aufregend gemacht. Am Ende war es Julian Schelb, der das viertägige Etappenrennen zum ersten Mal gewinnen konnte. Er gewann am Feldberg vor Titelverteidiger Simon Stiebjahn und vor Sascha Weber, der um seinen dritten Rang noch schwer kämpfen musste.

 

Bei sonnigen Verhältnissen lieferten sich die Hauptakteure am Schlusstag noch einmal einen tollen Schlagabtausch. Dabei unterstrichen sie, dass sie sich über die die vier Tage auf dem gleichen Niveau bewegten. Nicht mal der fast zehn Kilometer lange Anstieg von Todtnau zum Herzogenhorn konnte Julian Schelb (Stop&Go Marderabwehr) und Simon Stiebjahn (Team Bulls) auseinander dividieren, das schafften letztlich nur die Kommissäre.

Mit Sascha Weber (Maloja-Rocky Mountain) und Tomas Visnovsky (Ceska Sporitelna-Accolade) waren vier Fahrer am Sonntag innerhalb von 1:10 Minuten auf die letzten 47,2 Kilometer gegangen.

Der Fünfte, der Tscheche Matous Ulman (Ceska Sporitelna), hatte vier Minuten Rückstand und bekam am letzten Tag „Ausgang.“

Davor hatte der Breitnauer Matthias Bettinger (Stop&Go Marderabwehr) für seinen Teamkollegen Julian Schelb am zweiten Berg Tempo gemacht. „Das Tempo war nicht hoch und Matze hat mir mit seiner Arbeit sehr geholfen“, erzählte Schelb.

Ulman konnte sich dann bis zur Verpflegungszone am Todtnauer Kurpark 1:20 Minuten Vorsprung heraus fahren.

Die hohe Kunst der (schnellen) Pannenhilfe

Simon Stiebjahn mit nur fünf Sekunden Rückstand auf das Gelbe Trikot von Schelb in die letzte Etappe gegangen, erlitt auf der Abfahrt einen Reifendefekt, einen „Vorderrad-Schleicher.“

Doch er und sein Teamkollege Simon Schneller exerzierten die hohe Kunst der Pannenhilfe. Schneller präparierte im Trail während der Fahrt bereits die Luftpatrone, in einer Serpentine, wo das Tempo ohnehin auf Null gedrosselt werden musste, hielt Stiebjahn an, öffnete das Ventil und schnappte sich Schnellers Patrone.

„10, 15 Sekunden hat das vielleicht gekostet“, so Stiebjahn.

„Das war schon ganz schön riskant, die Patrone im Trail schon zu präparieren“, bekannte Schneller. Aber es hat funktioniert.

Mit diesem Rückstand auf die Gruppe um Julian Schelb kam Stiebjahn in Todtnau den Serpentinen-Trail vor der Verpflegungszone herunter, eine Passage, die später noch eine Rolle spielen sollte.

Stiebjahn schloss wieder auf und der Kampf um die Gesamtwertung konnte auf den 700 Höhenmetern zum Herzogenhorn beginnen.

Doch es tobte nicht nur ein Zweikampf. Auch der Slowake Tomas Visnovsky hatte ein Interesse und forcierte immer wieder. Visnovsky wollte die 36 Sekunden auf Rang drei von Sascha Weber wettmachen.

„Das war gut für mich, so konnte ich das Zepter etwas abgeben“, erzählte Schelb.

Ulman verliert Luft und Führung

Noch relativ weit unten im Anstieg drückte einmal Simon Stiebjahn aufs Tempo, irgendwo in der Mitte auch mal Julian Schelb. Aber beides blieb ohne Wirkung.

Voll zu attackieren, das wollten beide nicht riskieren. „Wenn es dich dann aufstellt, dann verlierst du selbst von der Skischanze hier hoch noch fünf Sekunden“, so Schelb. Damit sprach der den letzten Kilometer an.

Unterdessen kämpfte Matous Ulman an der Spitze mit zu wenig Luft im Hinterreifen. Etwa 15 Kilometer vor dem Ziel hätte er es bemerkt, so der Tscheche. Er verlor seine Führung und damit den möglichen Etappensieg vollends bei der Abfahrt. „Da konnte ich nicht mehr so schnell fahren. Aber so ist das halt, das gehört zu unserem Sport“, meinte Ulman, der im Sprint mit seinem Teamkollegen Visnovsky mit elf Sekunden Rückstand immerhin noch Tagesdritter wurde.

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Die wichtigsten Protagonisten bei den Herren von links: Tomas Visnovsky, Julian Schelb, Simon Stiebjahn, Sascha Weber und Matous Ulman ©Erhard Goller

Weber rettet sechs Sekunden

Der Attacke von Visnovsky fiel Sascha Weber zum Opfer. „Die Beine waren gut, aber habe meinen Puls nicht mehr runter bekommen. Tomas hat das gemerkt und hat auf der Fläche so hässlich gedrückt, dass ich nicht mehr mitgekommen bin“, berichtete Weber von seinem Kampf um Gesamtrang drei. Sechs Sekunden Vorsprung rettete der Freiburger noch ins Ziel.

„Ich bin froh, dass es noch fürs Podium gereicht hat.“

Die beiden Hauptakteure, aber neutralisierten sich bis zum Schluss. Vorjahres-Sieger Stiebjahn gelang es nicht mehr seinen Rivalen Schelb abzuhängen. Stiebjahn fuhr als Erster über die Ziellinie, eine Sekunde dahinter Schelb.

„Schneller hätte ich nicht gekonnt“, schüttelte Stiebjahn den Kopf. „Julian ist stark gefahren, ich bin mit Rang zwei auch zufrieden.“

Zehn Sekunden Zeitstrafe fürs Treppenfahren

Der zweite Etappensieg wurde ihm allerdings nachträglich wieder genommen. In der oben erwähnten Passage nahm Stiebjahn, wie sieben weitere Fahrer, eine Treppe hinunter auf die Straße anstatt eine letzte Serpentine auszufahren. Das wurde auch im Jahr vorher von einigen Fahrern so gemacht, ohne Sanktionen.

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Matous Ulman, zu diesem Zeitpunkt in Führung liegend. Links von seinem Hinterrad: die ominöse Treppe ©Erhard Goller

Diesmal verpassten die Kommissäre acht „Treppenfahrern“ eine Zeitstrafe von zehn Sekunden, so dass offiziell Julian Schelb zum dritten Mal als Etappensieger gefeiert wurde. Er war Visnovsky und Weber gefolgt, hätte unter Umständen aber auch die Treppe genommen.

So oder so: Der Münstertäler gewann zum ersten Mal den Rothaus Bike Giro Hochschwarzwald. Nachdem er 2017 drei Etappen gewonnen, mit einem Kettenriss aber die Chancen auf den Gesamtsieg verloren hatte, war das auch verdient.

„Ich muss sagen, ich war schon nervös im Gelben Trikot in die letzte Etappe zu gehen und habe auch an 2017 gedacht. Noch an der Skibrücke habe ich für eine halbe Sekunde gedacht, jetzt könntest du noch alles verspielen. Es ist toll das Rennen zu gewinnen, auch für unser kleines Team“, erklärte der Deutsche Marathon-Meister.

Auf den Plätzen sechs und sieben folgten Martin Frey (Team Bulls, +11:50) und Caleb Kieninger (BQ Cycling, +14:37), der als Tages-Achter seine Leistung noch mal bestätigte. Der 25-jährige St. Georgener verzeichnet dieses Jahr einen Leistungssprung, mit dem er in der Lage ist lange bei den guten Marathon-Fahrern mitzumischen. „Ich habe dieses Jahr erstmals mit Trainer Björn Kafka einen konstanten Aufbau gemacht und es zahlt sich aus“, so Kieninger, der erst das vierte Jahr ernsthaft MTB-Rennen fährt.

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